: Team Yankee
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"Team Yankee": Mittendrin statt nur dabei?
Harald Coyle, Team Yankee. A novel of World War III, New York 1987
Vor einiger Zeit habe ich bereits zwei Bücher zum Thema besprochen, Tom Clancys „Red Storm Rising“ and Sir John Hacketts „Der Dritte Weltkrieg“. Fortsetzen werde ich die Reihe nun mit dem 1987 erschienenen „Team Yankee“ von Harold Coyle.
Coyle war Panzeroffizier der US Army und ist mittlerweile einer der bekannteren Militär/Techno-Thriller-Schriftsteller in den USA. Ähnlich wie bei Tom Clancy waren seine frühen Werke vom Szenario her die Interessantesten: Der finale Clash zwischen NATO und Warschauer Pakt in Mitteleuropa. Coyle bedient sich als Rahmenhandlung des Szenarios, das Hackett in seinem „Dritten Weltkrieg“ auf strategischer Ebene entworfen hat, zeigt den Krieg aber nur aus der Perspektive einer einzigen Kompanie, von einigen wenigen erzählerischen Ausflügen in die Gedankenwelten einzelner Kontrahenten abgesehen. Der Leser erfährt über die großen Zusammenhänge und den Kriegsverlauf nur das, was auch die Protagonisten in Erfahrung bringen können – und das ist naturgemäß nicht viel. Das trägt zur Authentizität bei, denn so erlebt man den Krieg nur durch die Augen der handelnden Soldaten.
Titelgeber ist das „Team Yankee“, eine kompaniestarke gemischte Einheit aus einer um einen Zug reduzierten Panzerkompanie und einem Zug unterstellter „Mech. Infantry“ (vergleichbar mit Panzergrenadieren). Im Gegensatz zu den regulären Companies werden oder wurden solche erst im Einsatz gemischten Einheiten als „Teams“ bezeichnet. Ausgerüstet ist das Team mit M-1-Panzern und M-113 APC. Ihr CO ist Capt. Bannon, die Hauptfigur des Buches, ein junger Panzeroffizier.
--TEASER--
Das Buch beginnt direkt am ersten Kriegstag, dem 4. August eines unbestimmten Jahres Mitte/Ende der 80er Jahre (1985, wenn man Hackett folgt). Das Team befindet sich zu dem Zeitpunkt aufgrund der stärker werdenden Spannungen zwischen NATO und Warschauer Pakt schon seit einigen Tagen in seiner Verteidigungsstellung irgendwo im Raum der berüchtigten „Fulda Gap“, als Luftangriffe und Artilleriefeuer vom Beginn des Krieges künden. Minutiös ist in diesem ersten Teil des Buches beschrieben, wie sich die Truppe zwar unter kriegsmäßigen Bedingungen, aber noch im Frieden in ihrem Abschnitt eingerichtet hat und alles seinen Gang geht, bis der Moment eintritt, den jeder gefürchtet hat: Der Krieg. Erste Gefechte mit den Sowjets werden ausgetragen und erste Verluste treten ein, die für die Männer schwer zu verkraften sind. Einige Soldaten wachsen unter dem Druck über sich hinaus, andere zerbrechen daran. Coyle zeichnet ein glaubwürdiges Bild vom Soldaten in einem hochtechnisierten Krieg. Eben war da noch ein junger, motivierter, frisch zum Team gestoßener Lieutenant, der mit viel Aufwand in die Geschichte eingeführt wird – im nächsten Moment wird sein Panzer vernichtet. Auch beschreibt Coyle, wie der Krieg den Menschen verrohen lässt, was besonders in einer Szene deutlich wird, in der die Panzer nach schweren Verlusten eine sowjetische Artilleriestellung überrollen und nicht eher ruhen, bis auch der letzte Kanonier niedergemacht ist. Es ist ein ernüchternder Realismus, der aus Szenen, wie diesen spricht, von denen es einige gibt: In der Hitze des Gefechts denkt niemand an die Genfer Konvention.
So erlebt man mit dem Team Yankee die 14 Tage dauernden, heftigen Kampfhandlungen mitten in Deutschland. Die Kampfszenen sind äußerst eindringlich und intensiv – man ist quasi im Panzer mit dabei Die Charaktere sind mehr als reines Bedienpersonal für alle möglichen „tollen“ Waffensysteme.. Dies sind ein klare Pluspunkte für das Buch. Persönlich ist mir negativ etwas aufgefallen, dass die ganze Szenerie irgendwie „leer“ wirkt. Wenn sich zwei riesige mechanisierte Armeen, die versammelten Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes, auf relativ engem Raum gegenüberstehen, dann erwartet man irgendwie eine verdichtete Szenerie – Panzer, Flugzeuge, Artillerie usw. in Mengen. In „Team Yankee“ wirkt die Landschaft seltsam leer. Während eines Gegenangriffes stoßen die Protagonisten Dutzende Kilometer weit vor, ohne auf nennenswerte Feindkräfte zu stoßen. Luftstreitkräfte kommen nur am Rande vor. Meist kämpft das Team isoliert in seinem kleinen Krieg. Man kann es schlecht beurteilen, aber irgendwie hat Tom Clancy diese Szenerie eines riesigen totalen Krieges der Supermächte und Europas, konzentriert in einem kleinen Land, deutlich besser vermittelt. Aber letztendlich kann man nicht beurteilen, welche Schilderung realistischer ist. Auch die Einseitigkeit der Gefechte ist auf den ersten Blick zwiespältig zu sehen: Man runzelt schon etwas die Stirn, als in der ersten Gefechtsszene eine sowjetische Einheit ohne Chance zusammengeschossen wird. Aber als später im Buch das gleiche einer US-Einheit passiert, wird klar, was der Autor ausdrücken will: In einem modernen Krieg kommt es nicht auf die Gegenüberstellung von Technik oder auf einen „fairen Kampf“ an, sondern darauf, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die Kräfte anzusetzen, den Gegner in einer für ihn ungünstigen Situation auf dem falschen Fuß zu erwischen, ihn zu überraschen und – zu vernichten. Eine in günstigem Gelände verschanzte Infanterieeinheit mag für Panzer eine harte Nuss sein, aber auf dem Marsch in M-113-Blechbüchsen erwischt ist sie nur Kanonenfutter …
Positiv ist noch anzumerken ist, dass für alle Gefechte kleine Karten im Buch sind und somit die beschriebenen Situationen für den Leser deutlich werden.
Als Ergänzung zu den anfangs genannten Werken, trotz der relativen Kürze und obwohl das Ende etwas lieblos wirkt, ist „Team Yankee“ absolut lesenswert. Daher: Eine klare Leseempfehlung!
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