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Alexis von Croy: Abenteurer der Lüfte

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Erhältlich bei Amazon für 14,95

Rezension: Alexis von Croy, Abenteurer der Lüfte. Die besten Geschichten über das Fliegen, München 2003.

 

Ein Rückblick auf ein Jahrhundert Fliegerei.

In diesem Buch hat der Luftfahrtjournalist Alexis von Croy einige bekannte und auch weniger bekannte Episoden aus der Luftfahrtgeschichte zusammengetragen und kurzweilig aufbereitet. Damit führt er den Leser chronologisch durch 100 Jahre Luftfahrt, beginnend mit den ersten Flügen der Gebrüder Wright im Jahr 1903, über deren Einzigartigkeit ja ab und zu diskutiert wird, bis zum Absturz der Concorde im Jahr 2000, dessen schockierende Bilder die meisten Leser noch im Kopf haben werden. Im Folgenden sollen einige Kapitel exemplarisch vorgestellt werden.

Weit weniger bekannt als die Atlantiküberquerung von Charles Lindbergh, die ja "nur" der erste Alleinflug über den Atlantik war, ist auch heute noch die erste Nonstop-Atlantiküberquerung per Flugzeug überhaupt durch John Alcock und Arthur Whitten-Brown im Jahr 1919. Mit einem Vickers Vimy-Bomber aus dem Ersten Weltkrieg schafften die beiden mutigen Flieger erstmals, was heute selbstverständlich scheint.
Von Croy stellt dieses Abenteuer, das unter unglaublichen Umständen durchgeführt wurde - so musste z.B. einer der Piloten während des Fluges mehrmals bei schlechtem Wetter auf die Tragflächen klettern, um Eisansatz von den Motoren zu entfernen - , äußerst realistisch dar, so dass man als Leser den fast 16-stündigen Flug sehr gut nachvollziehen kann. 16 Stunden bei schlechtem Wetter im offenen Cockpit einer unzuverlässigen, klapprigen Flugmaschine über dem stürmischen Nordatlantik, die mit einer glimpflich ausgegangenen Bruchlandung in einem irischen Sumpf erfolgreich endeten. Damit war bewiesen, dass Flugzeuge in der Lage waren, die Kontinente miteinander zu verbinden.

Ein weiteres, sehr interessantes Kapitel ist die Geschichte der berühmten Pilotin Amelia Earhart. Der kurze, aber höchst spannende Überblick über das Leben, Wirken und mysteriöse Verschwinden der außergewöhnlichen Flugpionierin im Pazifik beim Versuch der fliegerischen Weltumrundung im Jahr 1937 bewog mich, mich weiter mit der Person Earharts und dem Rätsel um ihren letzten Flug zu beschäftigen. Vor allem in diesem Kapitel bewährt es sich, dass der Autor es mühelos schafft, relativ komplexe Themen wie die Anforderungen und Problematiken der frühen Navigation über See so darzustellen, dass auch ein Laie es problemlos verstehen und nachvollziehen und somit und dem Ablauf der Ereignisse folgen kann. Und diese sind vom Autor sehr spannend erzählt, sofern sie bekannt sind. Aber Earharts Verschwinden wäre nicht als "mysteriös" zu bezeichnen, wenn es nicht dutzende, ja hunderte von Theorien darüber gäbe. Von Croy zählt die Bekanntesten und Absurdesten davon auf und präsentiert auch die Wahrscheinlichsten. Eine davon wird von einem Team von Luftfahrtarchäologen vertreten, die der Überzeugung sind, dass Earhart und ihr Navigator auf einer kleinen Insel notlanden konnten und dort dann umgekommen sind. Noch heute suchen sie nach Überresten auf der fraglichen Insel. Aber ob die Wahrheit über den letzten Flug von Amelia Earhart je ans Tageslicht kommt, ist fraglich.

Die Geschichte des in der Wüste verschollenen Bombers "Lady Be Good" und seiner Besatzung liefert den Stoff für das nächste tragisch-faszinierende Kapitel. Die "Lady Be Good" war eine B-24 "Liberator" der USAAF aus dem Zweiten Weltkrieg, die in den 60er Jahren verlassen und fast unbeschädigt mitten in der lebensfeindlichen libyschen Wüste, 700km südlich der Mittelmeerküste, aufgefunden wurde. Von der 9-köpfigen Besatzung, die seit 1943 mit ihrem Bomber verschollen war, fand sich zunächst keine Spur. Das Auffällige war, dass der Bomber offensichtlich nicht notgelandet worden ist, sondern die Besatzung im Flug abgesprungen war und sich die Notvorräte noch an Bord befanden. Sehr ungewöhnlich für eine Notlandung in der Wüste, wo jeder Tropfen Wasser zählt.
Erst nach und nach wurden die im trockenen Wüstenklima konservierten Leichen der Besatzungsmitglieder gefunden und über deren Tagebucheinträge und andere Spuren konnte der Ablauf der Ereignisse rekonstruiert werden: Durch einen Navigationsfehler wähnte sich die Besatzung noch über dem Mittelmeer, über 700km nördlich der tatsächlichen Position, als ihnen der Sprit ausging. Deshalb wählten sie den Fallschirmabsprung statt einer gefährlichen nächtlichen Notwasserung. Wie groß muss das Erstaunen gewesen sein, als sie stattdessen in der Wüste landeten. In einer unglaublichen Kraftanstrengung schafften es einige Besatzungsangehörige noch, mit nur einigen Schluck Wasser tagelang über 140km durch teilweise knietiefen Sand in Richtung Küste zu marschieren. Eine ungeheure Kraftanstrengung, die aber angesichts der riesigen Entfernung zur nächsten möglichen Rettung sinnlos war.

Auch die jüngere Luftfahrgeschichte wird behandelt, so z.B. mit dem Absturz der Concorde. Der letzte Flug der Unglücksmaschine wird detailliert rekonstruiert. Darüber hinaus wird unter anderem der erste Überschallflug durch die Fliegerlegende Chuck Yeager und die durch eine Verfilmung bekannt gewordene katastrophale Notlandung einer DC-10 in Sioux City behandelt.

Insgesamt ist das Buch nicht für Fachleute, sondern eher für den interessierten Laien geschrieben. Aber auch wenn man sich schon mit den behandelten Themen auskennt, ist es dadurch kein Stück weniger lesenswert. Spannend wie ein Abenteuerroman geschrieben, dabei aber immer faktentreu und auf dem Boden der erwiesenen Tatsachen, wird es sehr schwer, das Buch einmal aus der Hand zu legen, wenn man erstmal angefangen hat. Die perfekte Lektüre für den Zug, den Strand oder einfach für Zwischendurch.

 

 


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