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Richard Perlia: In geheimer Mission

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Erhältlich bei Amazon für 28,79

Rezension: Richard Perlia, In geheimer Mission. Memoiren eines Testpiloten unter Hitler, Augsburg 1999.

Der 1905 geborene Testpilot und Fotograf Richard Perlia beschreibt in seinen Memoiren sein abenteuerliches Leben, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit von 20er bis zu den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts liegt.

Perlia kam in seinen jungen Jahren in den „wilden Zwanzigern" zur Fliegerei, nachdem er seine vom Elternhaus für ihn vorgesehene „Karriere" als Geistlicher im Kloster aufgrund eines Liebesabenteuers und dem folgenden Rauswurf nicht verwirklichen konnte. So konnte er seinen Wunsch verwirklichen, Pilot zu werden. In verschieden Flugschulen (Klemm, Raab-Katzenstein) und diversen, meist nur kurzfristigen Anstellungen als Werkspilot lernte er fliegen und erlangte weitreichende Erfahrung, die ihm später oft genug das Leben retten sollte. Durch Perlias Erzählungen erhält man einen faszinierenden Eindruck in die abenteuerliche Fliegerei der späten 20er und frühen 30er Jahre in gefährlich anmutenden Holzkisten: Kolbenfresser während eines Überlandfluges? Kein Beinbruch, dann wird auf dem nächsten Acker gelandet, das Problem behoben und weitergeflogen. Für den Nachtflug fehlen die vorgeschriebene Beleuchtung und die Positionslichter? Mit ein paar Taschenlampen und ein bisschen Draht wird auch dieses Problem gelöst. Unzählige solcher Anekdoten vermitteln ein Bild dieser Zeit. Heutzutage kaum vorstellbar, was in diesen Anfangsjahren der Fliegerei alles möglich war.

Unterbrochen wird das Kapitel durch einen „Ausflug" Perlias nach Istanbul. Wegen Betruges gesucht, kaufte er sich von seinem letzten Geld eine Fahrkarte an den Bosporus und schlug sich dort eine Weile als Bettler, Hilfsarbeiter und schließlich angestellter eines Ford-Werkes durch, bis es ihn wieder in die Heimat zog und er sich wieder seiner Leidenschaft, der Fliegerei, widmen konnte. Dies tat er mal als Kunstflieger, mal als Fluglehrer und mal als Werkspilot. Perlia erscheint als rastlose Gestalt, die es nie lange an einem Ort oder bei einer Tätigkeit hielt.

Sein Ende fand diese abenteuerliche Zeit nach der Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933. Mit der Aufrüstung im Hinterkopf wird die Fliegerei in Deutschland stark gefördert und als erfahrener Pilot erhielt Perlia eine Anstellung bei der DVL (Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt) in Berlin. Dort wurden damals neue Flugzeugtypen und Gerätschaften auf Herz und Nieren geprüft. Auch hier musste er wieder viele gefährliche und aus heutiger Sicht leichtsinnige Experimente durchführen, wie z.B. Flachtrudeln in diversen Mustern. Mehrmals kam er nur knapp mit dem Leben davon, Notlandungen waren keine Seltenheit. Sehr amüsant ist hingegen die Episode, in der er im stark alkoholisierten Zustand mit einer mit Wissenschaftlern und Messgeräten besetzten Ju 52 einen Looping ausführte. Die „Passagiere" sollen danach sehr blass gewesen sein...

Auch die DVL verließ Perlia bald wieder und wurde zunächst Testpilot bei Arado und dann bei Junkers. Letztere Tätigkeit erstreckte sich dann bis zum Kriegsende. Im Rahmen dessen musste er neue Maschinen einfliegen bzw. neue Typen oder Bordgeräte testen. Weil er „so schön stützen konnte", wurde er eine Art Experte auf der Ju 88 und auch hierbei ist er dem Fliegertod oft nur um Haaresbreite entgangen. Überführungsflüge neuer Maschinen oder schlichter Transport von neuen Einbauteilen und Änderungsanweisungen führten ihn auch zu Frontverbänden, allerdings ohne dass er je einen Kampfeinsatz geflogen hätte. Auch hier gibt es wieder die eine oder andere abenteuerlich-komische Episode: 1941 führte ein von ihm mit einer Arado Ar 79 „auf Restauranthöhe" neben dem Eiffelturm geflogener Bodenlooping zu einem von der Besatzungsmacht verhängten einwöchigen Startverbot, was ihn aber im Hinblick auf das Pariser Nachtleben nicht allzu sehr schmerzte...

So ist das ganze Buch in einem episodenhaften Stil geschrieben. Im Wechsel werden lustige, abenteuerliche und dramatische Fliegergeschichten erzählt.

Mit Kriegsende war die Zeit des Fliegens für Perlia erstmal vorbei. Die Abenteuer aber hörten nicht auf. Während er bei den Russen in Berlin als Fotograf angestellt war, spionierte er bald gleichzeitig für die Engländer, denen er Abzüge der Fotos weiterleitete. Später arbeitete er als Journalist und Pressefotograf. Perlia war es auch, der beim Volksaufstand 1953 in Berlin viele der heute bekannten Fotos dieses Ereignisses machte und sie in den Westen schmuggelte. Im Laufe der Zeit schlug er sich in verschiedenen Berufen durch, aber zur Fliegerei kam er nicht mehr richtig zurück.

Mit diesem Buch erhält man einen spannenden Einblick in ein abenteuerliches Leben. Perlia lebt übrigens noch und ist gern gesehener Gast auf Luftfahrtveranstaltungen.

Sprachlich ist das Buch nicht so gut gelungen. Man hat den Eindruck, als wurde beim Lektor gespart. Kommafehler und einige etwas seltsame Formulierung stören den Lesegenuss aber nur marginal. Schlimmer wiegt da schon der teilweise konfuse Aufbau: Nicht nachvollziehbare Zeitsprünge kommen häufig vor und führen zu Verwirrung und zudem ist die eigentlich reichhaltige Bebilderung aus Perlias Fotoalbum nur selten dem dazugehörigen Text zugeordnet, sondern oft dutzende Seiten davon entfernt. Das ist etwas schade, hier hätte eine etwas sorgfältigere Bearbeitung durch den Verlag nicht geschadet. Trotzdem bleibt unter dem Strich ein sehr positives Fazit.


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