Hans-Jürgen Becker: Schwere Jäger und Zerstörer der Luftwaffe 1933 - 1945
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Rezension: Hans-Jürgen Becker, Schwere Jäger und Zerstörer der Luftwaffe 1933 - 1945, Stuttgart 1999.
In diesem Buch wird die Technikgeschichte einer kurzlebigen Flugzeuggattung der Luftwaffe behandelt – der Zerstörer. Die sog. Zerstörer oder auch „Flugzeugzerstörer“ kamen bei der deutschen Luftwaffe Mitte der 30er Jahre auf und verschwanden mit dem Kriegsende wieder aus der Geschichte. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist die Messerschmitt Bf 110.
Nachdem in einer kurzen Einführung die Entstehung des Zerstörer-Konzeptes dargestellt wird, wendet sich der Autor schnell dem Hauptteil des Buches zu: Der Technik- und Entwicklungsgeschichte der einzelnen Typen. Beginnend mit den frühen Versuchsmustern Focke-Wulf Fw 57 und Henschel Hs 124, über die bekannten Messerschmitt Bf 110 und den als Zerstörer zweckentfremdeten Bombern Junkers Ju 88 und Dornier Do 17/217, bis zu den späten Entwicklungen Me 210/410, Ju 388 und dem Nachtjäger He 219 werden nicht nur Zerstörer und schwere Jäger, sondern auch die ihnen verwandten Nachtjäger behandelt. Auch nicht zum Einsatz gekommene Typen wie die Do 335, Ta 154 und die relativ unbekannten Fw 187 und Ar 240/440 werden nicht ausgelassen. Der Dschungel von verschiedenen Typen, Untertypen und Versionen wird bei jedem Muster leicht verständlich und reichhaltig bebildert dargestellt.
Die ausreichend ausführliche Darstellung der Entwicklungsgeschichte aller Typen ist nicht nur in Bezug auf die behandelten Flugzeugtypen interessant, sondern bietet auch einen detaillierten Einblick in die Vorgänge bei der Entwicklung und Einführung von neuen Mustern bei der Luftwaffe des Dritten Reiches. Dabei wird klar, dass nicht unbedingt der Gefechtswert eines Flugzeuges, sondern, neben den chronischen Engpässen bei der Fertigung von bestimmten Flugzeugmotoren, vor allem Kompetenzgerangel, Vetternwirtschaft und fehlender Sachverstand bei Entscheidungsträgern den meisten Einfluss auf die Typenauswahl der Luftwaffe hatten. Hier wird also am Beispiel der Zerstörer und der Luftwaffenrüstung dargestellt, woran die gesamte Rüstungswirtschaft und im Grunde genommen auch die ganze Herrschaftsstruktur Nazideutschlands krankte: Eine ausufernde Polykratie ohne eindeutige Hierarchie unterhalb Hitlers, bei der jeder versuchte, sich und seinen Günstlingen Macht und Einfluss zu verschaffen.
Abgerundet wird das Buch mit einigen – vor allem für Modellbauer interessanten – Farbprofilen und einer Auflistung sämtlicher Zerstörer- und Nachtjagdeinheiten der Luftwaffe. Ausdrücklich nicht behandelt wird die Einsatzgeschichte der Flugzeuge, denn das war nicht die Intention des Autors und es würde auch den Rahmen sprengen. Dafür gibt es andere Bücher.
Natürlich kann das Buch in der Detailtiefe nicht mit Werken mithalten, die sich nur mit einem einzigen Muster befassen, aber für einen Überblick über die Flugzeuge dieser kurzlebigen Waffengattung ist es sicher eine sehr gute Wahl.
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