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Brian Cull: Buffaloes over Singapore

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Erhältlich bei Amazon für 22,99 Euro

Rezension: Brian Cull (u.a.), Buffaloes Over Singapore: RAF, RAAF, RNZAF and Dutch Brewster Fighters in Action Over Malaya and the East Indies 1941-42, London 2003.

 

Eine Anmerkung im Voraus: Dieser Artikel sollte zunächst nur eine Rezension werden, aber schlussendlich ging es etwas über eine reine Buchbesprechung hinaus.

Diesen Artikel muss ich etwas früher beginnen: Ich war etwa 10 oder 11 Jahre alt, als ich erstmals ein Buch über den Zweiten Weltkrieg in die Finger bekam. Es war ein Buch über die Versenkung der HMS Prince of Wales und HMS Repulse am 10. Dezember 1941 vor der Küste der damaligen britischen Kolonie Malaya (dem heutigen Malaysia) durch japanische Flugzeuge. Der erste Falll in der Geschichte, dass Großkampfschiffe auf hoher See alleine durch Flugzeuge versenkt worden sind. In diesem Buch wurden natürlich auch die britischen Jäger erwähnt, die zu spät kamen, um den angegriffenen Schiffen Schutz zu geben. Diese waren veraltete Brewster Buffaloes. Viel mehr war aber erstmal nicht zu erfahren. Mit der Zeit begann ich mich für den Luftkrieg des Zweiten Weltkrieges zu interessieren, aber von der Buffalo bzw. den Kämpfen um Singapur/Malaya 1941/42 hörte und las ich nicht mehr viel. Selbst in Großbritannien ein "Forgotten War", hierzulande praktisch unbekannt. Dennoch (oder gerade deswegen?) interessierte mich die Thematik. Mit der Zeit, Jahre nachdem mir die Thematik das erste Mal begegnet war, folgten einige Bücher über diesen Kriegsschauplatz, aber der Luftkrieg wurde auch darin nur stiefmütterlich behandelt. Ich wusste also immer noch nicht allzu viel über die Einsatzgeschichte der Buffaloes, außer dass sie veraltet waren und sich nicht allzu gut gegen die modernen japanischen Flugzeuge geschlagen haben. Aber oberflächliche Aussagen steigern meine Neugier immer erst. Ich möchte es dann genau wissen. Dieser Wunsch blieb unerfüllt, bis ich beim Stöbern bei amazon zufällig das hier vorgestellte Buch fand. Müßig zu erwähnen, dass es fünf Minuten später bereits bestellt war. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Die amerikanische Brewster F2A, von den Briten "Buffalo" genannt (Im Hinblick auf ihr Aussehen ein sehr treffender Name), war schon zu Beginn des Krieges praktisch veraltet. Als trägergestützter Jäger für die US Navy und das Marine Corps entwickelt, setzte sie sich nicht gegen die F4F "Wildcat" durch und wurde nur in geringen Stückzahlen eingeführt. Im Export hatte sie mehr Erfolg: In Europa war inzwischen der Krieg ausgebrochen und viele Staaten brauchten dringend Flugzeuge. So wurden 1940 etwa 40 Maschinen nach Finnland geliefert und auch Belgien bestellte einige, die jedoch nicht mehr rechtzeitig vor der deutschen Invasion geliefert werden konnten. Diese sollten dann zunächst nach Frankreich umgeleitet werden, landeten aber nach der französischen Kapitulation in Großbritannien. Dort erkannte man die Unterlegenheit der Maschine auf dem europäischen Kriegschauplatz, orderte aber trotzdem nochmal etwa 170 Stück aus den USA und verfrachtete sie in den Fernen Osten. Alle modernen Flugzeuge wurden in Europa und Nordafrika gebraucht und für den befürchteten Krieg gegen die - wie man dachte - veraltet ausgerüsteten Japaner schienen Buffaloes mehr als auszureichen. 

Dem war natürlich nicht so; die Japaner verfügten stattdessen über hochmoderne Flugzeuge, gut ausgebildete Piloten und waren zudem zahlenmäßig überlegen, als sie im Dezember 1941 mit der Eroberung der britischen Kolonien in Malaya und Singapur begannen. Die mit den Buffaloes ausgerüsteten Staffeln, die hauptsächlich zur RAAF und RNZAF gehörten, befanden sich hingegen noch in der Ausbildung und zudem war der technische Zustand der Maschinen durchweg schlecht. Vom Prinzip her ein gutmütig zu fliegendes und sehr wendiges Flugzeug, sorgten die sehr unzuverlässigen und fehleranfälligen Motoren, die unvorteilhafte Gewichtsverteilung bei Kampfbeladung (Panzerung, Bewaffnung & Munition) und die mangelnde Ausbildung vieler Piloten bereits ohne Feindeinwirkung für viele Ausfälle. Und hiermit kommen wir zum vorgestellten Buch von Brian Cull. Wie der Titel schon sagt, beschäftigt es sich mit dem Einsatz der Buffaloes in den Kampfhandlungen um Malaya, Singapur und der niederländschen Kolonie auf Java im heutigen Indonesien.  

Zu Beginn wird auf den Aufbau der vier Buffalo-Squadrons in Singapur (243 Sqn der RAF, 453 & 21 Sqn [Schreibweise auch: 21RAAF] der RAAF, 488 Sqn der RNZAF) eingegangen. Cull stützt sich dabei - wie im ganzen Buch - viel auf Aufzeichnungen der beteiligten Piloten, wenn es darum geht, den Alltag der Soldaten darzustellen. Diese stehen in einem seltsamen Widerspruch zwischen dem friedensmäßigen Leben in Singapur, das ja sehr weit vom Krieg in Europa entfernt scheint, und den Vorbereitungen auf den zu erwartenden Krieg gegen die Japaner.

Dieser Krieg bricht dann bekannterweise am 7. Dezember 1941 aus; allerdings nicht erst mit dem Angriff auf Pearl Harbor, sondern schon einige Stunden vorher mit den ersten Landungen der Japaner in Nordmalaya (Die Datumsgrenze sorgt für den verbreiteten Irrtum, Pearl Harbor wäre der Beginn des Pazifikkrieges). Für die schwachen Einheiten der verschiedenen Commonwealth-Luftsreitkräfe im neuen Kriegsgebiet beginnt der Krieg gleich in voller Härte, da die Japaner alles daran setzen, schnell möglichst viele Flugplätze des Gegners auszuschalten, um eine Gefährdung ihrer Landungskräfte durch Bomber zu minimieren. Die Buffalo-Staffeln, die die einzigen verfügbaren Jäger der Alliierten darstellen, sind von Anfang an "outgunned, outnumbered, outclassed". Gegen japanische Jäger wie Ki 43 und die A6M "Zero" können sie nicht viel ausrichten, zudem diese auch fast immer in großer zahlenmäßiger Überlegenheit auftreten - 10:1 ist keine Seltenheit - und aufgrund fehlender Vorwarnsysteme praktisch immer in taktisch überlegener Position in den Kampf gehen können. Wenn die Buffaloes es dann tatsächlich mal schaffen, ungestört in die Luft und auf Höhe zu kommen, dann schlägt die Schwäche des Motors in großen Höhen voll zu. Und selbst wenn die Piloten mal in Schussposition kommen, dann versagen mit großer Wahrscheinlichkeit eine oder mehrere Waffen. So ist es nicht verwunderlich, dass die RAF bald ihre angeschlagenen Kräfte aus Malaya auf die Insel Singapur konzentriert. Auch die eingangs erwähnte Versenkung des Schlachtschiffes HMS Prince of Wales und der HMS Repulse am 10. Dezember kann nicht verhindert werden, obwohl extra eine der hart bedrängten Squadrons - die 453 Sqn - in Reserve gehalten wird, um der Navy helfen zu können. Da die Jäger allerdings viel zu spät angefordert werden, können sie nur noch die "PoW" beim Sinken beobachten. Einer der im Buch zitierten Piloten erklärt, dass sie zunächst gar nicht wussten, worum es ging und davon ausgingen, dort wäre gerade ein feindliches Schiff versenkt worden! Umso größer war das Entsetzen, als die Siegesfeier durch die Richtigstellung unterbrochen wurde - lagen doch die meisten Hoffnungen für die Verteidigung der Kolonie in den beiden mächtigen Großkampfschiffen.

Bei all diesen Rückschlägen wundert es, dass in den zitierten Aussagen und Tagebuchaufzeichnungen immer noch eine hohe Moral unter den Piloten zu beobachten ist. Die ständigen Bombenangriffe auf die Flugplätze werden mit stoischer Gleichmütigkeit hingenommen und auch die permanente Unterlegenheit in der Luft weckt gerade in den Australiern der 453 Sqn einen bewundernswerten Galgenhumor, der sich im regelmäßig in Buffaloes over Singapore zitierten Kriegstagebuch dieser Einheit niederschlägt. So wird z.B. von einer neuen Krankheit namens "Nipponisis" berichtet, deren Symptome in der Luft auftreten und aus Unmengen roter Kreise vor den Augen bestehen. 

Beim Lesen des Buches bekommt man das Gefühl, dass der Autor fast jeden Einsatz, der während der Kämpfe von den Buffalo-Einheiten geflogen wurde, in seinem Bericht erwähnt. Natürlich wird auch ein Überblick über den gesamten Luftkrieg gegeben, der aber nicht sehr detailliert ausfallen kann. Für die Geschichte der als Verstärkung eingeflogenen Hurricanes erschien dann auch noch ein eigenes Buch: Hurricanes over Singapore. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal...

Die Dramatik der Ereignisse sorgt für eine Grundspannung: Die japanischen Einheiten nähern sich unaufhaltsam Singapur, das aus der Luft unter einem Dauerbombardement liegt, bis sie schließlich vor den Toren stehen und es nur noch heißt "rette sich, wer kann". Während dieser Ereignisse sind die Buffaloes ständig im Einsatz, können aber den Kriegsverlauf nicht ändern. Trotz all der Widrigkeiten erzielen die alliierten Jagdpiloten etwa 80 Abschüsse bei ca. 60 eigenen Verlusten.

Mit dem Ende Singapurs geht gleichzeitig die Laufbahn der Buffalo in britischen Diensten zu Ende. Als kleiner Nachtrag wird noch der Einsatz der hollänischen Buffaloes bei der Invasion Javas durch die Japaner, einige Zeit nach dem Fall Singapurs, dokumentiert. Mit dem schnellen Sieg der Japaner ist es aber auch hiermit bald vorbei.

Das Buch endet mit einem umfangreichen Anhang, in dem in tabellarischer Form die Verluste und Erfolge der Buffalo-Piloten und der Werdegang jeder einzelnen Maschine dokumentiert sind. So lässt sich, wenn man denn wollte, über die Werknummer und/oder die Kennung der Lebenslauf einzelner Maschinen im ganzen Buch nachvollziehen. 

Abschließend bleibt zu sagen, dass Buffaloes over Singapore selbstredend ein Pflichtkauf für jeden ist, der sich für die Kämpfe um Singapur interessiert. Aber auch wer genug vom ewigen Messerschmitt vs. Spitfire-Einheitsbrei hat und mal über den europäischen Tellerrand hinausschauen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Neben der Faszination der Thematik eines Kampfes gegen einen in allen Belangen überlegenen Gegner, besticht das Buch durch seine Nähe zum Geschehen, das durch die vielen Berichte aus erster Hand erzeugt wird.

Damit wäre dieser Artikel eigentlich am Ende, wenn ich nicht noch einen kleinen Nachtrag hätte: In Finnland wurde die Buffalo ab 1941 gegen die Sowjetunion eingesetzt und machte dort eine komplett andere Karriere als in britischen oder holländischen Diensten. Die finnischen Piloten waren von ihr begeistert, was sich in dem Spitznamen „Himmelsperle" niederschlug, und erzielten mit ihr ein Abschuss/-Verlustverhältnis von 26 : 1! Obwohl die Finnen ihre Maschinen modifiziert hatten und die sowjetischen Piloten nicht mit den Japanern zu vergleichen waren, zeigt das doch, dass die Buffalo in den richtigen Händen ein gefährliches Jagdflugzeug war.

Siehe auch: The Sorry Saga of the Brewster Buffalo

 


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